Neurodivergente Eltern
Über neurodivergente Kinder wird - zu Recht - viel gesprochen. Was dabei oft untergeht: dass die Eltern dieser Kinder oft selbst auch neurodivergent sind. Für diese Eltern wollen wir uns einsetzen.
Spezifische Herausforderungen
Eltern werden ist für die meisten Menschen eine Herausforderung. Das Leben gerät durch die Ankunft eines neuen Menschen komplett aus den Fugen und das Leben verändert sich von Grund auf. Neurodivergente Eltern sind zusätzlich in besonderem Maß mit Herausforderungen konfrontiert.
Körperwahrnehmung
Während der Schwangerschaft verändert sich der Körper und auch die Körperwahrnehmung. Neurodivergente Frauen sind sensorisch oft sehr empfindlich. Zusammen mit der hormonellen Umstellung wird der eigene Körper möglicherweise nicht mehr als verlässlich wahrgenommen, sondern als unberechenbar und unvertraut. Das kann beängstigend sein. Diese Wahrnehmung kann sich während der Geburt dramatisch verstärken und sich durch die Stillzeit zusätzlich verlängern. Neurodivergente Frauen sind dadurch anfälliger für traumatische Geburtserfahrungen und postpartale Depressionen.
Sinneswahrnehmungen
Während der Schwangerschaft verändern sich auch die Sinneswahrnehmungen. Namentlich Gerüche und Berührungen können als überwältigend intensiv wahrgenommen werden. Für viele neurodivergente Eltern ist nach der Geburt das Windelwechseln durch die starken Gerüche eine sensorische Herausforderung.
Alltagsgestaltung und Rückzug
Neurodivergente Menschen haben oft ein starkes Bedürfnis nach strukturierten Abläufen und Gewohnheiten. Durch die Wahrnehmung vieler Reize ist der Alltag insgesamt ermüdender. Daraus entsteht ein verstärktes Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe, das im Alltag mit (kleinen) Kindern schwer umzusetzen ist. Neurodivergente Eltern geraten dadurch leichter in Erschöpfungszustände.
Internalisierte Konzepte von Elternschaft
Wir alle sind mit gesellschaftlichen Konzepten sozialisiert, wie Eltern zu sein haben. Neurodivergente Eltern neigen verstärkt dazu, sich mit diesen gesellschaftlichen Idealen zu vergleichen. Wenn sie beispielsweise mehr Nähe zu ihren Kindern brauchen oder weniger Nähe akzeptieren können, dann führt das oft zu innerer Selbstkritik und dem Gefühl, als Elternteil gescheitert zu sein.
High Need Babies
Viele neurodivergente Eltern sehen sich zudem mit ebenfalls neurodivergenten Babies konfrontiert, deren Sensorik besonders empfindlich auf die Umwelt reagiert. Diese Babies kommen oft schwerer zur Ruhe, brauchen intensiv Nähe, kämpfen mit körperlichem Unwohlsein (Bauchschmerzen etc.) und fordern dadurch ihre Eltern zusätzlich heraus.
Wir wollen neurodivergente Eltern durch Aufklärung stärken.
Inspiriert von Autistic Parents wollen wir uns für bessere Aufklärung einsetzen. Unsere Ziele sind:
Neurodivergente Eltern stärken
Indem sie besser vorbereitet und mit passenden Informationen versorgt werden, können neurodivergente Eltern gestärkt und ohne traumatische Erfahrungen in das Abenteuer Familie starten.
Neurodivergente Eltern wissen um ihre spezifischen Herausforderungen, sie nehmen sich nicht als unzulänglich oder defizitär war.
Stellen, die Hilfe anbieten, sind leicht zugänglich und ohne Barrieren erreichbar.
Anlaufstellen sensibilisieren
Medizinische Anlaufstellen wie Hebammen, Ärzte und Spitäler kennen die besonderen Bedürfnisse von neurodivergenten Eltern.
Jugendämter, EUTBs und Ombudsstellen können neurodivergente Eltern gezielt und bedürfnisgerecht beraten.
Der Staat anerkennt die Besonderheiten von neurodivergenten Familien und übt nicht zusätzlichen Druck auf sie aus.
Selbsthilfe
Du hast konkrete Fragen und möchtest dich mit anderen neurodivergenten Eltern austauschen?
Einmal im Monat trifft sich die Online-Selbsthilfegruppe Neurodivergente Eltern, die vom Verband Neurodiversität unterstützt wird.