Glossar
Neurodiversität umfasst viele Fachbegriffe, die nicht immer selbsterklärend sind. Dieses Glossar bietet eine kurze und verständliche Erklärung zentraler Begriffe, die in unserer Arbeit häufig vorkommen.
Hier findest du die wichtigsten Begriffe und die Erklärungen dazu
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ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung)
Eine neurodivergente Besonderheit, die sich durch Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit, Impulsivität, innere Unruhe, Gedankenkreisen, Verträumtheit und oft auch Hyperaktivität äußert. Sie zeigt sich in verschiedenen Ausprägungen und kann sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen.
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Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Ein Überbegriff für unterschiedliche neurodivergente Profile, die durch Herausforderungen in sozialer Kommunikation, repetitiven Verhaltensweisen und besonderen sensorischen Wahrnehmungen gekennzeichnet sind. Zum Spektrum gehören auch die früher oder teilweise sogar heute noch nach der ICD-10 gestellten Diagnosen frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom und atypischer Autismus.
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Barrierefreiheit
Das Prinzip, Räume, Angebote und Informationen so zu gestalten, dass sie von allen Menschen – unabhängig von physischen, sensorischen oder neurodivergenten Unterschieden – genutzt werden können.
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Burnout
Ein Zustand der emotionalen, physischen und geistigen Erschöpfung, der durch chronischen Stress entsteht. Bei neurodivergenten Menschen tritt Burnout oft infolge von Reizüberflutung, fehlender Akzeptanz und unzureichender Unterstützung auf.
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Dachverband Neurodiversität
Ein Zusammenschluss von Fachpersonen und Betroffenen, die sich im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) für die Belange neurodivergenter Menschen einsetzen. Der Verband fördert Inklusion, Aufklärung und den Abbau von Diskriminierung.
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Diversität
Die Anerkennung und Wertschätzung von Unterschieden zwischen Menschen, einschließlich solcher, die durch neurodiverse Profile geprägt sind. Diversität bezieht sich auf die Vielfalt von Erfahrungen, Perspektiven und Fähigkeiten.
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DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, 5. Ausgabe)
Ein anderes Klassifikationssystem, das in vielen Ländern, insbesondere in den USA, für die Diagnostik im psychischen Bereich verwendet wird. Es wird von der American Psychiatric Association (APA) herausgegeben und konzentriert sich ausschließlich auf psychische und neuropsychiatrische Störungen.
Das DSM-5 beschreibt ebenfalls Autismus als ein einheitliches Spektrum und berücksichtigt sensorische Schwierigkeiten als diagnostisches Kriterium.
ADHS ist in den Kategorien „Unaufmerksamkeit“ und „Hyperaktivität/Impulsivität“ strukturiert und bewertet die Symptome für Kinder und Erwachsene unterschiedlich.
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Dyslexie (Legasthenie)
Eine Lernschwäche, die durch Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen von geschriebenem Text gekennzeichnet ist. Sie gehört zu den spezifischen Lernstörungen und ist eine Form der Neurodivergenz.
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Dyspraxie
Eine neurologische Besonderheit, die Koordination, Bewegung und Planung von Handlungen betrifft. Sie kann sich in motorischen Schwierigkeiten und Herausforderungen im Alltag zeigen.
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ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision)
Ein diagnostisches Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das weltweit verwendet wird, um medizinische Diagnosen einheitlich zu kodieren. Die ICD-10 umfasst auch neurodivergente Diagnosen wie ADHS (unter F90.0), Autismus-Spektrum-Störungen (z. B. frühkindlicher Autismus F84.0) oder spezifische Lernstörungen wie Dyslexie (unter F81.0).
In der ICD-10 werden Diagnosen oft nach einer medizinisch-defizitorientierten Perspektive definiert, was von der Neurodiversitätsbewegung teilweise kritisch betrachtet wird.
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ICD-11 (Internationale Klassifikation der Krankheiten, 11. Revision)
Die neueste Version des Klassifikationssystems der WHO, veröffentlicht 2018, die viele Änderungen im Vergleich zur ICD-10 beinhaltet.
Autismus-Spektrum-Störung (6A02): Der Begriff wurde vereinheitlicht und umfasst alle früheren Unterdiagnosen wie frühkindlichen Autismus oder Asperger-Syndrom.
ADHS (6A05): Wird ähnlich wie in der ICD-10 diagnostiziert, jedoch mit einem stärkeren Fokus auf individuelle Ausprägungen.
Die ICD-11 ist moderner und versucht, neurodivergente Diagnosen weniger stigmatisierend zu beschreiben, indem sie von einer neutraleren Perspektive ausgeht.
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ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit)
Ein weiteres WHO-Klassifikationssystem, das sich nicht auf Diagnosen konzentriert, sondern die Auswirkungen von Gesundheitsproblemen auf die Lebensführung bewertet. Die ICF verwendet eine ganzheitliche Perspektive und ist für die Planung von Unterstützungsmaßnahmen hilfreich.
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PsychThG (Psychotherapeutengesetz, Deutschland)
Das Psychotherapeutengesetz regelt in Deutschland die Voraussetzungen für die psychotherapeutische Ausbildung und die Anerkennung von Diagnosen. Besonders bei der Anerkennung von psychischen und neurodivergenten Diagnosen im Bildungssystem und in der Arbeitswelt ist die Einhaltung dieses Gesetzes entscheidend. Es bildet oft die Grundlage für die Zulassung zu Therapien oder Unterstützungsmaßnahmen
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Inklusion
Das Ziel, alle Menschen – unabhängig von ihren neurodivergenten oder anderen Eigenschaften – gleichberechtigt in Bildung, Arbeit und Gesellschaft einzubeziehen. Inklusion erfordert sowohl Barrierefreiheit als auch ein offenes, unterstützendes Umfeld.
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Maskieren/Masking
Ein Verhaltensmuster, bei dem neurodivergente Personen ihre Eigenheiten verstecken oder anpassen, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Dies kann zu Stress, Erschöpfung und Identitätskonflikten führen.
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Meltdown
Eine intensive emotionale oder physische Reaktion, die auftritt, wenn neurodivergente Menschen durch Stress, Reizüberflutung oder Überforderung an ihre Grenzen kommen. Meltdowns sind keine bewussten Handlungen, sondern Ausdruck extremer Belastung. Nach außen gerichtete Meltdowns äußern sich in Wutausbrüchen oder Weinkrämpfen, nach innen gerichtete Meltdowns als plötzliche mentale Tiefs mit Selbstabwertung bis hin zu Suizidgedanken und -handlungen.
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Neurodivergenz
Ein Sammelbegriff, der sich auf alle Menschen bezieht, deren neurologische Entwicklung oder Funktion von der statistischen Norm abweicht. Beispiele für Neurodivergenz sind ADHS, Autismus, Dyslexie und Dyspraxie.
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Neurodiversität
Ein Konzept, das neurologische Unterschiede als natürliche und wertvolle Variationen der menschlichen Erfahrung betrachtet. Es betont, dass Vielfalt in neurologischen Profilen genauso wichtig ist wie kulturelle oder biologische Diversität.
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Overload (Überlastung)
Ein Zustand, der bei neurodivergenten Menschen auftritt, wenn sie durch Reize, Stress oder soziale Anforderungen überfordert sind. Dies kann zu Rückzug, Shutdowns oder Meltdowns führen.
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Selbstvertretung (Self-Advocacy)
Die Fähigkeit neurodivergenter Menschen, ihre eigenen Bedürfnisse und Rechte zu artikulieren und für sich selbst einzutreten. Der Verband Neurodiversität unterstützt diese Bestrebungen aktiv.
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Sensory Overload (Reizüberflutung)
Ein Zustand, bei dem die sensorische Verarbeitung durch zu viele oder intensive Reize überfordert wird. Typische Auslöser sind laute Geräusche, grelles Licht oder starke Gerüche.
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Shutdown
Ein Rückzugszustand, der bei neurodivergenten Menschen auftreten kann, wenn sie überfordert sind. Shutdowns äußern sich oft durch ein plötzliches Schweigen oder eine reduzierte Interaktion.
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Stimming
Eine Form der Selbstregulierung, die neurodivergente Menschen nutzen, um Stress abzubauen, sich zu stimulieren oder sich zu beruhigen. Beispiele sind das Flattern mit den Händen, Pressen der Zunge gegen die Zähne, Wippen mit dem Körper oder das Wiederholen von Geräuschen.
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Unterstützte Kommunikation (UK)
Eine Methode, die neurodivergente Menschen mit eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten unterstützt. Dazu gehören Bildkarten, Gebärdensprache oder elektronische Hilfsmittel.
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Zugangsmöglichkeiten
Alle Maßnahmen, die sicherstellen, dass neurodivergente Menschen uneingeschränkt an Bildungs-, Arbeits- und Gesellschaftsprozessen teilnehmen können. Dazu gehören individuelle Anpassungen wie flexible Arbeitszeiten oder barrierefreie Räume.
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WHO (Weltgesundheitsorganisation)
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf, die 1948 gegründet wurde. Sie fördert die internationale Gesundheit, koordiniert globale Gesundheitsmaßnahmen und hat 194 Mitgliedstaaten. Die WHO erstellt weltweit anerkannte Klassifikationen wie die ICD und die ICF.